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Meldungen aus dem Bezirksverband München
Meldungen aus dem Bezirksverband München

„Das Unrecht ist jetzt klar benannt“

Bewegender Tag des Erinnerns am Ehrenhain II beendet langes Schweigen über 93 namenlose Opfer der NS-Justiz

Heidi Delbeck, Tochter des Widerstandskämpfers Karl Delbeck, erinnerte an den Mut derer, die sich dem Unrechtsregime entgegenstellten. Tobias Hase / stbg

Es war ein Vormittag der tiefen Emotionen und der späten Gerechtigkeit auf dem Friedhof am Perlacher Forst. Wo jahrzehntelang das Schweigen über den namenlosen Gräbern von 93 Opfern der NS-Justiz lag, herrscht nun Klarheit. Mit der feierlichen Einweihung zweier neuer Gedenkstelen am Ehrenhain II hat die Stiftung Bayerische Gedenkstätten gemeinsam mit der Stadt München ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen gesetzt.

Wenn Geschichte ein Gesicht bekommt

Besonders spürbar wurde die Bedeutung dieses Tages durch die Anwesenheit von über 50 Nachkommen, die teilweise weite Wege aus Tschechien und ganz Europa auf sich genommen hatten. In ihren Gesichtern spiegelte sich die Erleichterung wider, dass das Schicksal ihrer Vorfahren – hingerichtet im benachbarten Gefängnis Stadelheim – nun endlich würdig dokumentiert ist.

In zwei besonders bewegenden Beiträgen gaben die Nachkommen dem Leid eine Stimme: Helena Novotná, die Urenkelin des ermordeten tschechischen Widerstandskämpfers Karel Hladeček, sprach in sehr persönlichen Worten über das schmerzhafte Erbe ihrer Familie. Für sie und viele andere Angehörige ist die Stele mehr als nur Information – sie ist ein Ort, an dem ihre Vorfahren aus der Anonymität der Geschichte zurückgeholt werden. Heidi Delbeck, Tochter des Widerstandskämpfers Karl Delbeck, erinnerte eindringlich an den Mut derer, die sich dem Unterdrückungssystem entgegenstellten. Ihre Schilderungen machten das Unrecht greifbar, das den Opfern selbst über den Tod hinaus angetan wurde, indem man ihnen eine würdige Bestattung verweigerte.

Schutz gegen das Vergessen

Stiftungsdirektor Karl Freller unterstrich die Notwendigkeit dieses Gedenkens: „Heute nennen wir ihre Namen, zeigen ihre Gesichter und machen die Informationen zu diesem Unrecht für jeden zugänglich.“ Er dankte besonders den Familien für ihr Vertrauen, ihre privaten Erinnerungen und Fotos für die neue digitale Datenbank zur Verfügung zu stellen.

Die feierliche Zeremonie, musikalisch einfühlsam begleitet von Fany Kammerlander am Cello, endete mit einem gemeinsamen Kranzgedenken. Den Kranz des Volksbundes, Landesverband Bayern, legte Stephanie Ritter, Geschäftsführerin des Bezirksverbandes München (Stadt und Land) nieder. Die Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik, Justiz und Verbänden sowie der tschechischen Generalkonsulin Dr. Ivana Červenková verdeutlichte: Der Ehrenhain II ist nicht nur eine Münchner Grabstätte, sondern ein europäischer Mahnort für Freiheit und Menschlichkeit.

Dank der neuen Tafeln und der integrierten QR-Codes können Besucher nun direkt vor Ort die Biografien derer lesen, die hier ihre letzte Ruhe fanden – ein dauerhafter Schutz gegen das Vergessen und ein spätes Versprechen an die Hinterbliebenen: Ihr seid nicht vergessen.